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Fortbildung
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Hier finden Sie alle Informationen rund um die Fortbildung »Medienerziehung in Kindergarten und Hort«.


Präsentation

Rede des stellv. LfR-Direktors Dr. Jürgen Brautmeier

Rede des stellvertretenden Direktors der LfR in NRW,
Dr. Jürgen Brautmeier,

aus Anlass der Abschlussveranstaltung
Medienerziehung im Kindergarten
am 12. November 2001, 11.00 Uhr,
in Dortmund im Harenberg City-Center, Königswall 21

 

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Frau Staatssekretärin, meine Damen und Herren!

Ich freue mich, Sie im Namen der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen begrüßen zu können. Manche von Ihnen werden sich fragen, wieso die LfR, die in Nordrhein-Westfalen für die Zulassung und die Aufsicht über den privaten Hörfunk und das private Fernsehen zuständig ist, an einem Fortbildungsangebot für Erzieherinnen mitwirkt. Dies hat etwas damit zu tun, dass unsere Gesetze den Rundfunk als öffentliche Aufgabe betrachten und deshalb auch und gerade der Privatfunk einerseits einer besonderen Aufsicht unterliegt und andererseits seine Wirkungen intensiv beobachtet werden sollen. Das Landesrundfunkgesetz in Nordrhein-Westfalen belässt es aber nicht bei der Aufsicht und der Beobachtung, sondern schreibt der LfR wörtlich vor, "Medienkompetenz zu fördern und einen Beitrag zur Medienerziehung zu leisten." Damit handelt es sich also bei der dieser Veranstaltung um einen Teil unseres gesetzlichen Auftrags.

Medienpädagogische Fachtagungen veranstaltet die LfR schon seit vielen Jahren. Von Anfang an standen dabei vor allem der Kindergarten und die Grundschule im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Basis der meisten unserer medienpädagogischen Veranstaltungen waren Forschungsprojekte, in die wir ebenfalls viel Zeit und Geld investieren. Eines dieser Forschungsprojekte in diesem Feld wurde 1998 unter dem Titel "Medienerziehung im Kindergarten. Theoretische Grundlagen und empirische Befunde" (Ulrike Six / Christoph Frey / Roland Gimmler) in der Schriftenreihe der LfR veröffentlicht. Diese Studie war der Auslöser für unser Engagement in der Fortbildung von Erzieherinnen, die wir mit unseren Mitteln natürlich nicht alleine bewerkstelligen können und für die wir das Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes als Partner gewinnen konnten.

Frau Six und ihre Kollegen haben in ihrer Studie 1998 aufgezeigt, dass Erzieherinnen unter "Medienerziehung" eher den Einsatz von Kassettenrecordern und Büchern verstehen und oft abwehrend gegenüber Fernsehen, Computer und Video eingestellt sind. Dementsprechend wird in vielen Einrichtungen auch nur wenig Medienerziehung im umfassenden Sinne praktiziert. Es gibt einen deutlichen Widerspruch zwischen der umfassenden Mediennutzung in der Familie einerseits und der Beschränkung auf einen Teil der Medien im Kindergarten andererseits. Die Studie belegt aber auch, dass es die Erzieherinnen in den Kindergärten für dringend notwendig halten, mehr Informationen zum Medienverhalten von Kindern sowie Hilfestellungen zur Praxis der Medienerziehung im Kindergarten zu bekommen. Viele Erzieherinnen und Erzieher wollen Medien in ihren Arbeitsalltag aktiv einbeziehen, brauchen dafür aber Hilfen, nämlich Grundlagenwissen, eigene Praxiskenntnisse und wenn möglich ständige Anlauf- und Auskunftsstellen für ihre medienpädagogische Arbeit - auch übrigens für eine veränderte Elternarbeit, die den Wandel der Medienwelten von Kindern mit berücksichtigt.

Die Notwendigkeit einer entsprechenden Medienerziehung kontrastiert, so die Studie, mit der Einschätzung einer Mehrheit der Erzieherinnen, die "den Medien" in erster Linie schädliche Einflüsse auf Kinder unterstellen. Wenn wir ehrlich sind, haben wir alle irgendwie dieses Gefühl, was natürlich mit unserer eigenen Erziehung zusammenhängt, bei der unsere Eltern unseren Fernsehkonsum stark rationiert und damit unterschwellig als in der Wirkung negativ vermittelt haben. Die Annahme der vermeintlichen Schädlichkeit der Medien korrespondiert jedoch nicht mit entsprechendem Wissen der Erzieherinnen über das kindliche Mediennutzungsverhalten und den Inhalt der Medien selbst. So wird zum Beispiel der durchschnittliche Fernsehkonsum von Kindern im Alter zwischen 3 und 5 Jahren mit etwa 2 ½ Stunden am Tag gegenüber einer tatsächlichen Sehdauer von knapp 1 ½ Stunden pro Tag unrealistisch hoch eingeschätzt. Zu manchen Lieblingssendungen der Kinder werden vielfach Vorbehalte geäußert, obwohl diese Sendungen oft gar nicht selbst gekannt werden.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Wille und die Fähigkeit zur medienerzieherischen Arbeit wesentlich von den Einstellungen der Erzieherinnen abhängt. Diese Einstellungen werden bestimmt durch eigene Kenntnisse über die Medien und Annahmen zur Mediennutzung von Kindern, die aber oft, wie gerade erwähnt, der Realität nicht entsprechen. Es ist deshalb wichtig, sich ein allgemeines Wissen über die Medien der Kinder und deren Nutzung sowie Kriterien zur Beurteilung und Auswahl von kindgerechten Medien anzueignen. Von besonderer Bedeutung für die Medienerziehung im Kindergarten ist zudem, ich habe es bereits erwähnt, das Wissen um die Mediennutzung in der Familie. Das vorhandene medienpädagogische Wissen ist dann in medienpädagogische Konzepte umzusetzen, um nicht nur zu reagieren auf das, was die Kinder von zu Hause als Folge ihrer alltäglichen Mediennutzung mitbringen, sondern um eine aktive und zielgerichtete Medienerziehung im Kindergarten leisten zu können.

Als Konsequenz aus den Feststellungen und Empfehlungen der LfR-Studie haben das Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein Westfalen und die LfR in den letzten zwei Jahren 150 pädagogischen Fachkräften aus dem Kindergartenbereich eine gezielte Fortbildungsinitiative angeboten, um sie und die von ihnen betreuten Kinder auf die Anforderungen einer von den elektronischen Medien geprägten Gesellschaft vorzubereiten. Dieses erste Fortbildungsangebot konnte nicht landesweit durchgeführt werden, sondern konzentrierte sich auf regionale Angebote in Düsseldorf, Köln, Gummersbach, Münster und Bielefeld. Die Fortsetzung dieser Initiative, deren Auftaktveranstaltung Sie heute miterleben, soll neue, nicht nur regionale Schwerpunkte setzen, indem wir Wert darauf legen, dass z. B. Einrichtungen aus dem ländlichen Raum, aus benachteiligten groß- oder mittelstädtischen Gebieten, mit einem hohen Anteil von Kindern aus Migrantenfamilien usw. beteiligt sind. Die Erfahrungen aus dem ersten Fortbildungsdurchgang haben darüber hinaus gezeigt, dass sich unter den beteiligten Kindertageseinrichtungen Kooperationen bilden, die Kontakt halten und sich in medienpädagogischen Fragen austauschen. Dieses Netz soll mit einer Fortführung der Initiative noch einmal verstärkt werden, so dass die fortgebildeten Erzieherinnen dann auch eine Multiplikatorfunktion übernehmen können.

Flankierend zur regional verankerten Fortbildung werden wir ein zusätzliches Informations- und Bildungsangebot im Internet zum Thema "Medienerziehung im Kindergarten" bereitstellen. Dieses richtet sich nicht nur an die Teilnehmer der Fortbildungsinitiative, sondern auch an alle weiteren am Thema Interessierten. Im Internet wird die Fortbildungsinitiative in ihrem Verlauf präsentiert, darüber hinaus werden Selbstlernangebote bereit gestellt sowie weitere geeignete Projekte zum Thema "Medienerziehung im Kindergarten" einbezogen. Das Internetangebot wird auf der Plattform von Mekonet erstellt, dem Medienkompetenznetzwerk, das von der Staatskanzlei NRW und der LfR getragen wird und unter der Internetadresse www.mekonet.de zu finden ist. Mekonet hat zum Ziel, laufende Projekte, Initiativen und Einrichtungen, die wie diese Fortbildungsinitiative Qualifizierung anbieten und einzelne Zielgruppen fördern, auf einer Plattform zu präsentieren, miteinander in einen Erfahrungsaustausch zu bringen oder zu Kooperationen zu führen.

Ich freue mich über die bisherige positive Resonanz auf unsere Initiative und darüber, dass sie nun in die zweite Runde geht. Ich hoffe, dass sich daraus eine breite Wirkung für die Arbeit in möglichst vielen unserer Kindergärten ergibt. Zusammen mit dem Ministerium, den Trägern der Kindergärten, den Erzieherinnen, den Eltern und auch den Programmveranstaltern selbst, die ebenfalls Verantwortung für das Thema tragen, bleibt uns noch viel zu tun. Ich wünsche uns dazu für den heutigen Tag und darüber hinaus viel Erfolg und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Vielen Dank.